Antworten auf Fragen der Schüler*innen von der Klimakonferenz 2019

Inhaltsverzeichnis

Auf der von der sächsischen Landesregierung veranstalteten Klimakonferenz für Schüler*innen haben einige am Stand der Parents for Future Fragen hinterlassen. Hier Antworten von den Scientist for Future Leipzig

Klima

Was ist der wichtigste nächste Schritt?

Es ist nicht eindeutig, den nächsten Schritt zu benennen. Deshalb hier einige Punkte, bei denen man schnell ansetzen könnte. Wichtig wäre eine klare Kommunikation seitens der Regierung, dass wir unser Wirtschaften an den Erhalt des Ökosystems ausrichten müssen. Alles von Menschen Gemachte kann neu gemacht werden. Ist aber unsere Lebensgrundlage aufgrund Missachtung planetarer Grenzen zerstört, haben wir eine Katastrophe, die die meisten Menschen nicht überleben werden.

Um die Emissionen von CO2 zu verringern sollten als eine relativ einfache Maßnahme Anlagen zur Erzeugung erneuerbarer Energie schnell ausgebaut werden. Eine Stromversorgung mit erneuerbaren Energien ist mit heutigen technischen Mitteln weltweit machbar (siehe http://energywatchgroup.org/wp-content/uploads/EWG_LUT_100RE_All_Sectors_Global_Report_2019.pdf) und nicht teurer als das bisherige Energiesystem. Es werden mehr Arbeitsplätze geschaffen als durch das bisherige System verloren gehen. Wenn Deutschland damit anfangen würde, könnte es eine Beispielwirkung für den Rest der Welt haben. 

Ein weiterer wichtiger Punkt wäre der Erhalt der großen Wälder. So muss z.B. im Amazonas die Abholzung gestoppt werden und an möglichst vielen Orten der Welt sollten Wälder neu angepflanzt werden. Auch finanzielle Maßnahmen wie der sofortige Stopp der Subventionierung fossiler Energien oder die Einführung einer CO2 Steuer sind gute Sofortmaßnahmen.

Wieso gehen die Meinungen über den Klimawandel so auseinander? Warum leugnen Menschen den Klimawandel?

Dafür  kann man zahlreiche Gründe anführen. Zuerst einmal gab es schon sehr früh in  der Debatte um den Klimawandel und was dagegen getan werden kann von der  Wirtschaft finanzierte Studien und Kampangnen, die den Klimawandel angeblich  widerlegen, was einer genauerer Prüfung nicht Stand hält. Das wird  z.B. beschrieben in dem auch auf Deutsch erschienenen Buch „Merchants of  Doubt“. In  Deutschland gibt es in dieser Richtung z.B. das  EIKE – Europäisches Institut für Klima  & Energie.

Weiterhin sind Berichte in den Medien oftmals so, dass über  verschiedene Seiten eines Themas gleich gewichtet berichtet wird, obwohl die  meisten Wissenschaftler sich einig sind, dass eine Seite richtig ist. Das  gilt für viele Themen. In Deutschland ist diese „gleich gewichtete  Berichterstattung“ bezüglich des Klimawandels nicht so stark ausgeprägt  wie z.B. in den USA, wo entsprechend auch mehr Leute den menschlich verursachten Klimawandel leugnen.

Bei einigen Menschen gibt  es auch einen großen Glauben daran, dass Kapitalismus das beste System ist –  und solche Leute lehnen staatliche Eingriffe und Regeln generell ab (sie  sehen aber auch nicht, dass Kapitalismus nur auf Ausbeutung basierend  funktioniert). Ein weiterer Grund, den Klimawandel zu leugnen, ist, dass es  schwert zu akzeptieren ist, dass das eigene Verhalten schädlich für die Welt  sein soll. Schließlich verdrängt man auch gerne ein Problem, dass so groß  ist, dass man es gar nicht fassen kann, man denkt sich „wenn es wirklich  so schlimm wäre, dann würde sicher mehr dagegen unternommen“.

Wie kann man Klimagegner überzeugen, umweltbewusst zu handeln?

An der  Stelle sollte erst mal gesagt werden, dass es schwer ist, Leute, die  überzeugte Klimaleugner sind, vom Gegenteil zu überzeugen. Vielleicht sind  sie ja sogar Klimaleugner, weil sie ihren Lebensstil nicht ändern wollen. Es  gibt allerdings immer auch Leute, die es einfach nicht besser wissen. Bei  denen kann schon etwas Basiswissen vielleicht eine Änderung bewirken,  besonders, weil wir momentan den Klimawandel ja sogar in Deutschland schon  deutlich spüren (weniger Schnee in den Wintern, mehr heiße Tage im Sommer und  mehr tropische Nächte (wenn die Temperatur stets über 20°C ist),  die Dürre von 2018/19 (https://www.dwd.de/DE/klimaumwelt/klimawandel/klimawandel_node.html)). Wenn erst mal genug  Leute ihren Lebensstil so verändern, dass man z.B. mit einem Auto mit viel PS  nicht mehr „cool“ ist, sondern „völlig daneben“, dann  ändern vielleicht auch Klimaleugner etwas.

Zum Thema Basiswissen: CO2  (das immer beim Verbrennen von z.B. Öl, Kohle, Gas entsteht) ist ein  Treibhausgas! Der Treibhauseffekt erwärmt die Erde (bisher war das gut, ohne  ihn hätten wir um ca. 30°C kältere Temperaturen)! Der Anstieg von CO2 in der  Atmosphäre wird seit 1958 durchgehend gemessen (https://scripps.ucsd.edu/programs/keelingcurve/) Ein Anstieg der globalen Temperatur wird gemessen  (https://data.giss.nasa.gov/gistemp/graphs_v3/) Die gemessene  Erwärmung wird von Modellen nur dann richtig wiedergegeben, wenn von uns  Menschen emittierte Treibhausgase in den Modellen mit berücksichtigt werden  (https://www.bloomberg.com/graphics/2015-whats-warming-the-world/)

Ist es  realistisch noch möglich, unter 1.5°C zu bleiben ?

Aus rein wissenschaftlicher Sicht kann man nicht sagen, ob es realistisch ist  oder nicht, denn dafür müsste man ja vorhersagen können, wie sich Menschen in  Zukunft verhalten und das ist bekanntlich sehr schwer. Dennoch kann man  sagen: Es sieht schlecht aus. Eine Erwärmung um 1°C (verglichen mit der  vorindustriellen Zeit) hat bereits stattgefunden, und die Erde reagiert  langsam, so dass es noch wärmer werden würde, selbst wenn ab sofort die Menge  an Treibhausgas in der Atmosphäre konstant gehalten werden würde. Wir  brauchen weltweit radikale Maßnahmen, um eine Katastrophe zu verhindern.  Deshalb ist es durchaus berechtigt von einem Klimanotstand oder einem Notfall zu sprechen.  Manche vergleichen die Situation mit der eines Weltkrieges: Um den zu beenden  sind enorme Anstrengungen nötig und es ist mit Verlusten in einigen Bereichen zu rechnen.

Das Problem ist global, deshalb müssen zumindest fast alle mitmachen. Es ist wie bei einer Feier wo jeder etwas mitbringen soll. Wenn jeder etwas mitbringen, ist für alle genug da, bringt einer nichts, fällt das nicht auf. Beteiligen aber viele sich nicht, dann reicht es nicht.

Unmöglich ist es jedoch nicht. Einige nehmen auch die  DDR als Beispiel. Im Sommer 1989 hielten es sehr viele noch für  unrealistisch, dass sich das System in den nächsten Jahren verändert. Wie wir  wissen ging es dann aber doch schnell, weil eine breite Masse auf die Straße  gegangen ist.

Energie

Wie können wir aus den Kohlekraftwerken aussteigen ohne mit den Alternativen  größeren Schaden anzurichten?  Warum  dauert der Kohleausstieg so lange und was bringt er für (soziale) Nachteile?

Das Fraunhofer-Institut für Energiewirtschaft und Energiesystemtechnik hat im Rahmen einer von Greenpeace in Auftrag gegebenen Studie gezeigt, dass ein Kohleaustieg bis 2030 möglich wäre. https://www.greenpeace.de/sites/www.greenpeace.de/files/publications/2030_kohlefrei_fraunhofer_iee_greenpeace.pdf)

Viele Menschen haben aber Angst vor einem radikalen Wandel, den das mit sich bringt. Das ist insbesondere in den ostdeutschen Ländern so, denn da haben die Menschen den Umbruch nach der Wiedervereinigung in schlechter Erinnerung. Diese Sorgen sind begründet, denn es ist schwer kurzfristig einen großen Industriezweig zu ersetzen. Deshalb war das soziale Thema ja auch ein Fokus bei den Verhandlungen in der „Kohlekommission“. Die Folgen einer Klimakatastrophe durch z.B. verzögerten Kohleausstieg wären jedoch viel schlimmer. Natürlich lässt sich die Katastrophe nur verhindern, wenn alle mitmachen. Nur ist es wichtig, dass Deutschland als einer der reichsten Länder der Welt mit gutem Beispiel voran geht und zeigt, dass eine Energieversorgung ohne fossile Brennstoffe möglich ist.

Kann man irgendwann komplett auf fossile Brennstoffe verzichten?

Ja, dazu gibt es viele Studien, auch wurde gezeigt, dass es nicht nur weltweit möglich ist, sondern auch billiger als das bisherige System (http://energywatchgroup.org/globales-energiesystem-mit-100-erneuerbaren-energien) Das Besonderer an dieser Studie ist, dass allein die Kosten optimiert wurden ohne Technologievorgaben zu machen. Die größten Energiemengen werden je nach Land über Solarstrom und Windkraft bereitgestellt.

Mobilität

Wie sieht die Mobilität der Zukunft aus?

Es ist gut vorstellbar und wünschenswert, dass der öffentliche Nah- und Fernverkehr wieder an Attraktivität gewinnt und mehr Leute ihn nutzen. Dazu gibt es Ideen wie ein preisgünstiges Jahresticket z.B. für 365€ wie in Wien oder einen ganz kostenlose Nahverkeht, wie z.B. in Tallin. Auch ist mittlerweile vielen klar, dass Städte gut daran täten, wenn Radverkehr attraktiver werden würde, denn wenn mehr Leute Rad fahren oder auch zu Fuß gehen, könnte vieles besser werden, das beim Autoverkehr schlecht ist (z.B. Ausstoß von CO2 und anderen gesundheitsschädlichen Gasen und Feinstaub, Staus, Parkplätze, die Platz wegnehmen). Viele Städte in Holland und auch die dänische Stadt Kopenhagen gelten hier als Vorreiter.

Allerdings wird der motorisierte Individualverkehr weiterhin existieren. Für kurze Distanzen, z.B. in Städten, sind dabei E-Autos eine gute Alternative (wenn sie mit Strom aus erneuerbaren Energien getankt werden). Für lange Strecken, bei denen man „tanken“ muss gibt es Schnellladestationen. Auch ist Car-Sharing eine gute Alternative – nicht jeder muss ein Auto mit einer großen Reichweite besitzen. Außerdem lässt sich das Problem der Auslastung des Stromnetzes im Flottenbetrieb viel besser lösen.

Wie lange reichen die globalen Vorräte an seltenen Erden zur Herstellung von Lithium-Ionen-Akkus?

Diese Frage ist so nicht klar zu beantworten, denn es ist noch viel Potential in der Entwicklung der Batterietechnologie, so dass man davon ausgeht, dass Alternativen gefunden werden, wenn ein bestimmter Rohstoff, der heute verwendet wird, knapp und damit teuer wird.

Das kann man z.B. bei der Entwicklung von Solarmodulen sehen. So wird z.B. heute weniger als 10% Silber zu Herstellung eines PV Moduls benötigt als vor 10 Jahren. Die Modulpreise sind aber in dieser Zeit auch auf ungefähr 10% des Preises von vor 10 Jahren gefallen. Der andere wichtige Faktor ist das Recycling. Um beim Beispiel der Solarmodule zu bleiben: Angenommen ich kann heute aus einem 10 Jahre alten Solarmodul 90% des verwendeten Silbers wiedergewinnen, so reicht das um 9 neue Module zu produzieren (Die Lebensdauer eines Solarmoduls beträgt 20-30 Jahre). Da Rohstoffe in der Regel nicht nachwachsen und somit endlich verfügbar sind wird uns generell nicht anderes übrig bleiben als auf eine hohe Recyclingquote und eine hohe Effizienz bei der Materialverwendung zu setzen.

Bei der Lithium Batterietechnologie ist z.B. die Verwendung von Cobalt ein viel diskutiertes Thema. Man geht deshalb davon aus, dass in wenigen Jahren Cobalt-freie Batterien am Markt sind.

Wieso machen wir nichts gegen die Autoindustrie? Wieso beschäftigt sich die Automobilbranche nicht so stark mit nachhaltigen Verkehrsmitteln und Technologien?

Die Autoindustrie ist einer der größten Arbeitgeber in Deutschland und sie ist durch Lobbyarbeit gut vernetzt. Das erklärt, warum die Politik diesen Industriezweig gerne schützt (denn wenn es der Wirtschaft schlecht geht, sind die Chancen, wiedergewählt zu werden, schlechter). Es ist schade, dass die deutsche Autoindustrie nicht von alleine schon vor längerer Zeit begonnen hat, alternative Antriebe und Konzepte entsprechend voranzutreiben – Ideen dafür existieren schon seit langem. Aber die Autoindustrie hat gut in der Vergangenheit verdient, ohne dass sie sich ändern musste, weswegen sie einfach bis ins Jahr 2019 hinein so weiter gemacht hat, wie in der Vergangenheit. Wenn die Politik die Autoindustrie aber zu sehr schützt (Kosten des Dieselskandals werden auf die Bürger abgewälzt), dann kann das die Bürger auch verärgern.

Wichtig ist, der Industrie klare Rahmenbedingungen vorzugeben. In Deutschland war das lange Zeit der Verbrennungsmotor und insbesondere der Diesel. In China gibt es jetzt einen deutlichen Schwenk zur Elektromobilität und wer den verpasst, wird vermutlich am Markt nicht überleben.

Ziel sollte es sein, nicht gegen sondern mit der (Auto-) Industrie Nachhaltige Konzepte auf Basis von Randbedingungen zu entwickeln, die sich z.B. aus dem Pariser Klimaabkommen ergeben. Dabei wird es dann nicht nur um den Antrieb von Autos gehen, sondern um die Frage wie eine umweltfreundlichen Mobilität für alle, insbesondere auch im ländlichen Raum gewährleistet werden kann.

In welcher Hinsicht sollen E-Autos unsere Zukunft verbessern?

E-Autos haben, wenn sie mit Strom aus erneuerbaren Energien getankt werden, über ihre gesamte Lebensdauer hinweg einen kleineren CO2-Fußabdruck als Benzin- oder Dieselautos. Sie sind lokal emissionsfrei, verpesten also die Luft nicht mit Abgasen, was besonders an viel befahrenen Straßen in Städten wichtig ist. Auch sind sie wesentlich einfacher herzustellen und deshalb sind andere Fahrzeugkonzepte als bisher möglich. So kann z.B. der Motor als Radnabenmotor in die Räder integriert werden und man braucht weniger Raum dafür. E-Autos sind insbesondere gut für kurze Distanzen, z.B. in Städten, da sie dann mit kleineren Batterien auskommen können. Eine Reichweite von 100 km langt dabei in den meisten Fällen (im Schnitt fahren Deutsche pro Tag ca. 40 km). Unsere Mobilitätskonzepte müssen sich verändern: Autos stehen bisher die meiste Zeit des Tages nur herum, und wenn jeder Benziner und jedes Dieselauto durch ein E-Auto ersetzt wird, haben wir auch weiterhin viel zu viele Autos auf der Straße. Deshalb brauchen wir nicht einfach nur einen anderen Antrieb, sondern ein anderes Mobilitätskonzept. Siehe z.B. auch (https://www.zeit.de/kultur/2016-04/strassenverkehr-auto-umwelt-staedte-utopie-10nach8/komplettansicht)

Konsum / Plastik

Kann man Mikroplastik komplett aus Gewässern filtern?

Mikroplastik sind kleine Partikel aus Kunststoffabfällen, die nach Definition kleiner als 5mm sind und normalerweise eine Breite von weniger als einem Millimeter haben. Mikroplastik ist nicht nur überall im Wasser sondern auch in der Nahrungskette wie z.B. im Fisch oder in Schalentieren zu finden. Mikroplastik aus Wasser zu filtern ist eine große Herausforderung und momentan gibt es keine groß angelegte Lösung. Zum Beispiel hat der  Ozeanaktivist Marc Ward ein Werkzeug erfunden, um Mikroplastikpartikel durch elektrostatische Anziehung von den Stränden zu entfernen https://vimeo.com/156218387. Eine junge Studentin aus den USA hat einen U-Boot-Rover entwickelt, um Partikel mit Infrarot zu erkennen und zu sammeln https://www.youtube.com/watch?v=BWGBc53v98E. Für die Anwendung ist es natürlich eine wichtige Frage, wer die Kosten tragen würde. Da die größte Quelle für Mikroplastik größere Teile sind, ist es wichtig, dass kein Plastik ins Wasser gelangt und es ist auch schon viel gewonnen wenn man die Plastikteile, die heute noch groß sind, aus dem Meer entfernt.
+ https://www.thejournal.ie/irish-student-science-award-microplastics-4745270-Jul2019/

Wie reduzieren wir „verstecktes Plastik“?

Ein wichtiger Schritt ist es, sich darüber bewusst zu werden, wo sich „verstecktes Plastik“ befindet und dann diese Produkte zu meiden: zum Beispiel in Lebensmitteln in denen es nicht vermutet wird: z.B. Kaugummi und Wasser. Ein Report von WWF besagt, dass wir pro Woche in etwa in Kreditkartengröße Plastik zu uns nehmen, ohne es zu merken (5 g) http://awsassets.panda.org/downloads/plastic_ingestion_press_singles.pdf. Auch in anderen Produkten wie Haushaltsprodukte, Kosmetika, synthetische Kleidung (Mikrofasern) und in Zigaretten ist Kunstoff enthalten. Die Website „Eradicate Plastic“ bietet eine Liste von 10 gängigen Artikeln mit verstecktem Kunststoff (z.B. Kaffeetassen zum Mitnehmen), die schnell vermieden werden können https://eradicateplastic.com/hidden-plastics-10-common-items-that-surprisingly-contain-plastic/.

Wie und warum gelangt Müll in die Meere?

Über 80% des jährlichen Mülls, welcher in die Meere gelangt, kommt vom Festland: zum Beispiel wird durch Regen und Wind der Müll über die Kanalisation und die Flüsse ins Meer transportiert. In einigen Ländern entsorgen Menschen Müll direkt in die Flüsse. 20% des Mülls wird direkt ins Meer „geworfen“: zum Beispiel durch die Fischerei und die Schifffahrt. Außerdem exportieren die Industriestaaten ihren Müll in ärmere Länder (z.B. nach Asien), diese Länder bekommen Geld dafür, dass sie den Müll entsorgen. Der Müll heißt dann „Wertstoff“. Deren Umweltstandards sind jedoch nicht so hoch, sodass sie den Müll im Meer entsorgen. Über diese Umwege gelangt also auch unser Müll wieder ins Meer. https://www.eunomia.co.uk/reports-tools/plastics-in-the-marine-environment/ https://www.wwf.org.uk/updates/how-does-plastic-end-ocean. Hier gibt es einen interessanten Film über die Verschmutzung des Mittelmeeres https://programm.ard.de/TV/arte/mittelmeer-in-gefahr/eid_28724610124485.

Wie kann der Abfall (Plastik) von Produkten minimiert werden?

Jeder kann täglich handeln, um Kunststoff zu reduzieren. Ein einfacher Weg ist, die Produkte ohne Verpackung zu kaufen, z.B. im Supermarkt, im Unverpackt Laden oder auf dem Markt. Die Produkte können im Stoffbeutel, in Gläsern oder alten Kunststoffbehältern transportiert und gelagert werden. Alternativ kann man Produkte, die in Glas oder Karton verpackt sind, kaufen. Ein Wechsel von Wasser in Plastikflaschen zu Leitungswasser oder in Glasflaschen ist eine gute Strategie, um Plastikabfall zu verringern. Allerdings erzeugt der Transport von Glas (statt Plastik) mehr CO2, weil Glas schwerer ist. Tatsächlich trägt die Vermeidung von Plastik ein wichtiger Punkt für den Umweltschutz, trägt aber, verglichen mit anderen Punkten, wenig für Klimaschutz bei. In Ergänzung zu den Einzelmaßnahmen ist es wichtig, dass die Regierungen neue Vorschriften erlassen. Zum Beispiel hat die Europäische Kommission neue Regeln für das Verbot von Kunststoff in Einwegprodukten (Besteck, Teller, Strohhalme, Getränkerührer und Stäbchen für Ballons) verabschiedet http://europa.eu/rapid/press-release_IP-18-3927_en.htm.

Gibt es eine bald nutzbare, ähnlich praktische Alternative zu Plastik?

Glas und Mehrwegbeutel stellen in vielen Situationen bereits eine praktikable Alternative zu Kunststoffverpackungen dar. Es wird viel geforscht und entwickelt, um andere Alternative zu Kunststoff zu finden. Beispielsweise können Obst und Gemüse in Palmblättern verpackt werden. In die Entwicklung von Biokunststoffen wird auch viel investiert, beispielsweise aus Milch, Holz Pflanzen, Algen oder sogar Garnelen- und Krabbenschalen (Chitosan).
[https://www.innovationexcellence.com/blog/2018/07/02/13-plastic-packaging-alternatives/]
Generell gilt: Vermeiden, mehrfach verwenden, wieder verwerten natürlich als Grundsatz für alle Rohstoffe. Die Erfahrung zeigt jedoch, dass meistens ein umweltschädliches Produkt erst aus der Anwendung verschwindet, wenn man es verbietet oder mit einer hohen Steuer belegt.

Wieso gibt es noch keine Mindestlebensdauer für Technik wie z.B. Smartphones?

Würde es eine festgelegte Mindestlebensdauer geben, so müssten die Produkte auch qualitativ dafür ausgelegt werden, denn ein vorzeitiges Versagen würde dann zu Lasten der Hersteller gehen. Höhere Qualität würde mehr Herstellungskosten verursachen und gleichzeitig verhindern, dass schneller ein Neugerät erworben wird. Tatsächlich werden einige Dinge absichtlich so gebaut, dass sie nicht oder schlecht zu reparieren sind (genietet statt mit Schrauben versehen) oder schneller kaputt gehen, damit bald wieder etwas Neues gekauft werden muss. Die EU-Politik geht schon in die richtige Richtung, siehe auch https://www.circuit-accessories.de/2019/02/13/update-schraube-locker-fordert-recht-auf-reparatur/ und https://www.vzbv.de/dokument/faktenblatt-zu-oekodesign .

Gesellschaft / Politik

Was bringt eine CO2-Steuer und Warum ist Deutschland so sehr gegen die CO2-Steuer?

Grundsätzlich ist die Idee: Wenn Produkte und Dienstleistungen, die in ihrer Herstellung viel CO2 verursachen, durch eine CO2 Steuer teurer werden, würden sie weniger gekauft und dann wird weniger CO2 emittiert. Im Detail ist es natürlich kompliziert, denn es bringt ja nichts, wenn Produkte, bei deren Produktion viel CO2 emittiert wird dann in Ländern hergestellt werden, die keine CO2 Steuer haben. Außerdem stellt sich die Frage, wie eine solche Steuer sozial gerecht gestaltet werden kann.

Bisher müssen Unternehmen in Europa, wie z.B. Betreiber von Kohlekraftwerken, die große Mengen an CO2 ausstoßen schon im Rahmen des europäischen Emissionshandels Zertifikate dafür kaufen. Das Problem war jedoch, dass diese relativ billig waren und somit wenig Wirkung gezeigt hatten.

Neu in der Diskussion einer CO2-Steuer ist, dass alle bisher nicht vom Emissionshandel (ETS) erfassten Sektoren (Wärme, Verkehr, Landwirtschaft) einbezogen werden sollen. Aufgrund der Verfehlung der nationalen Klimaziele in den verschiedenen Sektoren muss Deutschland erst in den 2020er Jahren ETS Zertifikate kaufen. Diese Kosten in Höhe von 30-60 Mrd Euro zahlt aber zunächst der Staat und nicht die Verursacher. Die Ausgestaltung einer CO2-Bepreisung kann sehr unterschiedlich erfolgen. Davon hängt dann natürlich auch die Wirksamkeit ab.

Eine CO2-Bepreisung für Verkehr und Wärme ist auch national denkbar, viel besser wäre natürlich ein europaweites Vorgehen. Siehe auch: https://www.boell.de/de/2019/05/08/co2-preis-jenseits-der-leerformel. Auf der anderen Seite kann man nicht mehr lange warten, wenn man Klimaschutz ernst meint. Es gibt schon einige Vorschläge für die ersten Schritte: z.B. hier: https://www.agora-energiewende.de/fileadmin2/Projekte/2019/15_Eckpunkte_fuer_das_Klimaschutzgesetz/Agora_15_Eckpunkte_Klimaschutzgesetz_WEB.pdf 

Wann immer eine neue Steuer erwähnt wird, haben Leute Angst, dass sie mehr Geld an den Staat abgeben müssen. Dabei ist das für viele Modelle einer CO2-Steuer gar nicht so geplant, denn die Einnahmen durch die Steuer sollen wieder an die Menschen zurückgegeben werden, sie wäre im Mittel kostenneutral. So würden am Ende Leute, die wenig CO2 verursachen (und das sind oft ärmere Leute, die sich keine Flugreisen oder teure Steaks leisten können) sogar besser dastehen, wohingegen die Kosten von den Leuten getragen werden würden, die sich die entsprechenden Sachen auch leisten können. Bei der Steuer ist viel Demagogie im Spiel (siehe z.B. https://www.capital.de/wirtschaft-politik/klimapraemie-statt-co2-steuer). Tatsächlich wird momentan eine wirksame CO2-Bepreisung in vielen Parteien diskutiert, nur mit unterschiedlichem Ergebnis. Manche fürchten Widerstände u.a. bei den Wählern. Auf alle Fälle gibt es gute Beispiele, dass es funktionieren kann – ohne Aufstand der Bevölkerung, in Schweden und Schweiz und momentan wird auch EU-weit für die Zustimmung zu einer solchen Steuer geworben https://citizensclimateinitiative.eu/

Wird eine CO2 Steuer im mittel kostenneutrag erhoben bleibt jedoch ein wesentliches soziales Problem ungelöst: Laut UBA verursacht die CO2 Emission Kosten von 180 €/t. Diese Kosten müssen von der nachfolgenden Generation beglichen werden und das ist auch ungerecht. Für die Generationengerechtigkeit wäre es besser, die Einnahmen aus einer CO2 Steuer sofort in Klimaschutzmaßnahmen zu investieren. Einen sozialen Ausgleich zwischen Reich und Arm heute könnte man durch andere Faktoren wie z.B. eine Vermögenssteuer, Erbschaftssteuer, Finanztransaktionssteuer oder Änderungen der Einkommenssteuer erreichen.

Die Probleme bestehen seit Jahrzehnten. Also warum wird das jetzt in Frage gestellt? Wenn nicht jetzt handeln, wann dann?

Tatsächlich ist die Auseinandersetzung darum, wann und wie man handeln soll, fast so alt wie die Erkenntnis, dass die Verbrennung fossiler Brennstoffe eine Klimaerwärmung mit sich bringen wird. Denn ebenso alt sind auch Argumente von Klimaskeptikern, die von der Industrie finanziert die Öffentlichkeit über den Klimawandel in die Irre geführt haben (gut beschrieben z.B. in dem auch auf Deutsch erschienenen Buch „Merchants of Doubt“ https://de.wikipedia.org/wiki/Merchants_of_Doubt). Es war auch vor 40 Jahren schon angebracht gewesen, zu handeln, und das wurde auch so schon damals von einigen Wissenschaftlern und Politikern gesagt. Erste Schritte waren ja z.B. die Gründung des Weltklimarates IPCC und die Vereinbarungen im Rahmen des „Kyoto Protokolls“. Mittlerweile sind aber die Folgen des Klimawandels schon so deutlich zu bemerken, dass zu hoffen ist, dass jetzt weitreichende Maßnahmen beschlossen werden.

Welche Kosten sind höher? Die sich dem Klima anzupassen oder die den Klimawandel zu stoppen?

Grundsätzlich sind die Kosten den Klimawandel zu stoppen sicherlich kleiner. Werden viele der sogenannten „Kipppunkte“ erreicht, können wir einige Auswirkungen nicht mehr mit heute bekannten technischen Mitteln stoppen, egal wie viel Geld man einsetzen würde. Am deutlichsten wird das z.B. beim Artensterben. Ist eine Art ausgestorben, kann der Mensch sie nicht mehr zum Leben erwecken. Wenn z.B. Bienen nicht mehr da sind, werden Blüten nicht mehr im nötigen Ausmaß bestäubt und Obst wird nicht mehr in der jetzigen Menge geerntet. Das Ökosystem hat einen „Puffer“. Der Mensch kann durchaus überleben, wenn einige Arten sterben, sind es aber zu viele, fehlt uns die Lebensgrundlage.

Es gilt also, zu vermeiden, dass Kipppunkte erreicht werden, da sonst die Kosten für die Menschheit quasi unermesslich hoch werden. Das Stoppen (oder weitmögliche Aufhalten) der Klimaerwärmung ist also auch finanziell das günstigste. Und z.B. ist ja heute schon Strom aus erneuerbaren Energien weltweit günstiger als Strom aus Kohle.

Wir müssen uns entscheiden: Kapitalismus / Wirtschaftswachstum oder Klima- und  Umweltschutz. Doch was nützt uns die beste Wirtschaft, wenn derweil die Welt  untergeht?

Das trifft einen wichtigen Punkt, den auch namenhafte  Wissenschaftlerinnen durchaus benennen, z.B. Maja Göpel und die ist immerhin  Generalsekretärin des “Wissenschaftlichen Beirats der Bundesregierung Globale  Umweltveränderungen”  (siehe z.B. http://www.jungundnaiv-podcast.de/2019/06/420-maja-goepel-scientists-for-future-jung-naiv/). Auf der anderen Seite ist Kapitalismus auch nicht so klar definiert und mit  gewissen Grenzen hat man vielleicht durchaus eine Chance, auch mit dem  Kapitalismus die Folgen des Klimawandels abzumildern. Leider ist der Verbrauch von Ressourcen und Schädigung der Natur häufig nicht mit einem entsprechenden Preis versehen und somit gibt es im Kapitalismus keine entsprechende Lenkungswirkung. Viel wäre z.B. gewonnen  wenn die Preise die echten Kosten abbilden würden. Also wenn z.B. 1t CO2  Umweltschäden verursacht, deren Beseitigung 180 €/t  kostet, dann müsste die Emission von 1t CO2  halt mit einer Steuer belegt werden, die so hoch ist, dass nach Abzug der  Verwaltungskosten 180 €/t für die Beseitigung der Schäden übrig bleibt.

Auch verstehen nicht alle das gleiche unter „Wirtschaftswachstum“. Wenn wir z.B. jetzt konsequent und sehr schnell auf erneuerbare Energien umsteigen, Häuser dämmen, neue Heizungsanlagen einbauen, Mobilität anders organisieren gibt es sicher zunächst mal ein Wirtschaftswachstum. Von welcher Dauer das wäre, ist schwer zu sagen und „unendliches“ Wachstum in einer „endlichen“ Welt kann es auch nicht geben. Deshalb ist eine wesentliche mit dem Thema verbundene Frage: Was brauchen wir eigentlich um ein glückliches Leben zu führen und wahrscheinlich kommen wir als Menschheit auch mit weniger Materiellen Dingen aus. Nur müssen sich dafür sog. „gesellschaftliche Normen“ ändern. Wenn es als „cool“ angesehen wird, seine Mobilität z.B. überwiegend zu Fuß, mit dem Fahrrad und ÖPNV zu erledigen werden auch deutlich weniger SUVs gekauft. Leider sind wir noch nicht so weit. Das bedeutet aber auch, dass wir momentan erst mal beginnen müssen, mit der existierenden Wirtschaft Maßnahmen gegen den Klimawandel zu beginnen.

Wann kann man den Klimawandel nicht mehr stoppen?

Wir sind schon im Klimawandel drin – es wird schon merklich wärmer, Wettermuster verändern sich. Es gibt allerdings etliche Kipppunkte im Klimasystem, und wenn einer von denen erreicht wird, wird es schnell zu großen Veränderungen kommen. Das sollte unbedingt vermieden werden. Deshalb rät der Weltklimarat (IPCC), dass man die Temperaturerhöhung auf unter 1.5°C beschränken sollte. Kipppunkte sind z.B., wenn erst einmal eine gewisse Menge des Eises auf Grönland abgetaut ist, wenn die Ozeanzirkulation stoppt, wenn der Permafrostboden weiter auftaut und dann große Mengen Methan freigesetzt werden (siehe https://klimakonferenz.org/was-sind-kippelemente/). Wann ein Kipppunkt erreicht wird, ist nicht eindeutig zu sagen. Ein Bereich ist z.B in Schellnhuber(2016 )Why the right climate target was agreed in Paris.nature – http://www.pik-potsdam.de/~ricardaw/publications/schellnhuber_rahmstorf16.pdf ) angegeben.

Aber unabhängig davon, wie hoch die Temperaturen steigen werden – auch eine Verlangsamung des Anstiegs der Temperaturen kann schon helfen, darauf besser reagieren zu können. Es ist deshalb in jedem Fall wichtig, ein nachhaltiges System für unser Leben und Wirtschaften auf der Erde zu finden.

Wieso sind alle nur auf Geld/Macht aus? Wenn die Welt untergeht ist das alles nichts mehr wert!

Oft geht es ja nur um den eigenen Wohlstand und/oder den der eigenen Wähler. Aber es wird ja inzwischen immer klarer, dass unser eigener Wohlstand in einem hohen Maß auch vom Wohl der Welt abhängt. Ein Menschenleben ist in dieser Betrachtung nur ein kurzer Moment. Und noch kürzer ist eine Wahlperiode, für die Politiker gewählt werden. Entsprechend kurzsichtig sind auch oft die Politiker. Manche haben es vielleicht wirklich nicht verstanden und manche wissen es durchaus besser, lassen sich aber von den eigenen Interessen und denen von Lobbyisten leiten. Das muss hinterfragt und aufgedeckt werden. “Wohlstand” wird zudem gern mit Lebensqualität verwechselt!

Ein wichtiger Aspekt ist, dass große Probleme wie die Klimakrise nur in Gemeinschaft gelöst werden können. Schaut jeder nur für sich auf sein kurzfristiges Wohlergehen verhält er sich anders, als wenn er die (langfristigen) Interessen der Gemeinschaft im Blick hat. Auch ist es wichtig, wie unmittelbar jemand die (negativen) Folgen seines eigenen Handelns spürt. Es ist deshalb wichtig, Menschen bewusst zu machen, dass jeder Teil einer Gemeinschaft ist, und je mehr sich die Einzelnen mit dieser Gemeinschaft identifizieren, desto eher sind sie auch bereit im Sinne der Gemeinschaft zu handeln.

Wie kann man die Konzerne bewegen / motivieren mehr für die Umwelt  / Klimaschutz zu tun?

Jedes Unternehmen muss Gewinne erwirtschaften, wenn es weiter am Markt bestehen will, denn wir haben eine Marktwirtschaft und zugleich eine kapitalistische Gesellschaftsordnung. Wenn der Gewinn sich mit Umwelt-/Klimaschutz erhöhen lässt, dann sind sie auch dabei, aber niemals ohne ökonomisches Erfordernis. Diese kann aus zwei Richtungen kommen.

Zum einen von den Konsumenten. Sie können die öffentliche Meinung von Produkten durchaus beeinflussen. Damit das wirkt muss der Druck aber schon sehr gross sein und sehr viele müssen mitmachen. Ein Beispiel hier wäre, dass die Automobil-Industrie aufhören wird, Autos mit Verbrenner-Motoren zu bauen, wenn sie keiner mehr kauft.

Zum anderen sind die Randbedingungen wie z.B. eine CO2-Bepreisung wichtig. Und nur wenn mehr Umweltschutz gefordert wird, z.B. von den Wählern, wird auch etwas in diese Richtung passieren. Es gibt natürlich immer Vorreiter bei ökologischen Aspekten, die über das gesetzliche Maß hinaus freiwillig mehr tun. Das sind aber eher mittlere und kleinere Unternehmen, bei denen menschliche Überzeugungen gegenüber dem Profit eine größere Rolle spielen können. Prof. Göpel (https://www.youtube.com/watch?v=3vhuFlVGBeI) regt deshalb an, über eine Änderung des Aktienrechts nachzudenken.

Insbesondere große Unternehmen sind recht träge. Man bewegt sich in einem Geschäftsfeld so lange, wie man da gut Geld verdienen kann. Mit dem Geld, was man einnimmt kauft man dann häufig innovative kleinere Unternehmen auf und sichert sich so den Zugang zu neuen Ideen. Manchmal verpassen große Unternehmen den Zeitpunkt zu Neuorientierung und dann verschwinden sie, so z.B. der ehemalige Marktführer für Filme Kodak, oder Nokia als Handyhersteller.

Wie können wir ein gutes Gleichgewicht zwischen Politik und „mir selbst“ finden? (Also was und wie viel kann man selbst tun, wie viel muss die Politik tun, und wie kann man sie dazu bringen?)

Wie das Gleichgewicht zwischen eigenem Handeln und Politik aussehen soll kann man natürlich pauschal nicht sagen, klar ist, dass wir beides brauchen.Wo jemand seinen individuellen Schwerpunkt legt kann er/sie nur für sich selbst entscheiden.

Für sehr viele ist es hilfreich, sich lokalen und globalen Initiativen anschließen, denn das hat zwei Aspekte: Erstens fällt es jemand als Teil einer Gemeinschaft wesentlich leichter Dinge zu tun, die auch unbequem sind und man kann sich gegenseitig motivieren. Zweitens kann man als Teil einer (großen) Gemeinschaft besser Politik beeinflussen. Bei jeglicher Aktivität in einer Gruppe spielt es natürlich auch immer eine große Rolle, wie gut man mit den anderen Menschen in der Gruppe persönlich klarkommt.

Es liegt also auch an jedem selbst, auszuprobieren, was einem gut liegt. Die einen können gut öffentlich auftreten, andere können gut motivieren oder organisieren und einige beeindrucken vielleicht einfach nur dadurch, dass sie so leben, wie es ihren Wertvorstellungen entspricht und viele Trends einfach nicht mitmachen.

Was kann ich selbst machen, um das Klima zu verbessern?

Es hilft, den eigener Lebenswandel zu ändern, zum Beispiel weniger Fleisch und tierische Produkte zu essen und nicht mehr kaufen als mensch braucht (Klamotten & Lebensmittel), ÖPNV und Rad statt Auto und Flugzeug, Urlaub ohne Flüge; Politik muss aber den großen Rahmen setzen, also FFF-Demos und im Umfeld (Eltern, Verwandte, Freunde) über die Gefahren des Klimawandels informieren!

Wie schafft man es, das Leben im privaten Haushalt klimafreundlicher zu gestalten?

Zuerst muss man sich informieren, was wirklich entscheidende Stellschrauben für einen klimafreundlichen Haushalt sind. In diesen Bereichen kann grundsätzlich jeder Einfluss nehmen: Ernährung, Energieverbrauch in der Wohnung und beim Fortbewegen, Freizeit- und Konsumverhalten. Etwa die Hälfte der Treibhausgasemissionen in Deutschland werden direkt oder indirekt vom Verhalten und von den Konsumentscheidungen privater Haushalte beeinflusst https://www.wissenschaft.de/umwelt-natur/klimafreundlich-leben-es-gibt-viele-ansatzpunkte/. Mit einem CO2 Rechner (https://uba.co2-rechner.de/de_DE/) kann jeder schauen, wo er steht.

Mit energiesparendem Verhalten kann man sogar richtig Geld sparen. Hier ein paar Tipps: Im Winter sollten die Temperaturen auf das nötige reduziert werden, evt. Können sie Nachts abgesenkt werden. Zum Lüften sollte das Fenster nicht auf „kipp“ stellen sonder hin und wieder weit aufmachen. Energie für warmes Wasser kann man sparen indem man nur kurz duscht und nicht oder selten badet. https://www.verbraucherzentrale.de/sites/default/files/migration_files/media248932A.pdf.

Bei Elektrogeräten sollte darauf geachtet werden, dass sie nur in Betrieb sind, wenn sie benötigt werden und „Standby“ Betrieb vermieden wird. Beim Neukauf energiesparende Geräte wählen.

Umweltfreundliche Fortbewegung ist am ehesten zu Fuß oder mit dem Fahrrad möglich, und bei längeren Strecken mit öffentlichen Verkehrsmitteln. Insbesondere Langstreckenflüge können die gesamte persönliche Klimabilanz kippen!

Bei Ernährung bringt es schon sehr viel, nur so viel zu kaufen und zuzubereiten, wie wirklich gegessen wird und möglichst wenig wegzuwerfen. Auch der Verzicht auf Fleisch und tierische Produkte hat einen großen Einfluss. Gut ist weiterhin, wenn die Sachen, die man kauft, nicht weit gereist sind (insbesondere Lebensmittel) und möglichst ökologisch hergestellt und fair gehandelt sind.

Es ist nicht immer einfach, das alles zu beachten. Und es fällt auf Dauer natürlich viel leichter, wenn man sein Verhalten zusammen mit Freunden oder mit dem Partner umstellt. Weitere Tipps gibt es bei:
https://www.omasforfuture.de/handeln https://www.co2online.de/klima-schuetzen/klimabilanz/strom-heizen-mobilitaet-und-essen/, https://www.umweltbundesamt.de/umwelttipps-fuer-den-alltag.

Wie kann ich in meiner Schule auf das Thema Klimawandel aufmerksam machen und wie können wir die Schule nachhaltig gestalten um das Klima zu schützen?

Zuerst Verbündete vor Ort suchen: Schüler/innen, Lehrer/-innen, Schulleitung, Betreiber (Kommune?) und dann ein erstes Thema (z.B. Hitzeperioden) recherchieren und Zusammenhänge öffentlich machen. Es gibt viele gute Online-Quellen, die man nutzen kann, z.B. https://sachsen-im-klimawandel.de/Bildung-fuer-nachhaltige-Entwicklung.html oder https://www.umwelt.sachsen.de/umwelt/klima/1285.htm

Um die Schule nachhaltig zu gestalten muss man nicht alles neu erfinden, sonder kann sich zunächst mal an den Erfahrungen anderer orientieren, z.B. bei  50/50-Projekten und anderen öffentlichen Wettbewerben (www.energiesparmeister.de/wettbewerb/ ). Unbedingt sollte man bei allem den Schulträger (z.B. Kommune) zur Unterstützung auffordern.

Sehr wirksam ist es, sich für sparsamen Energieverbrauch einzusetzen – da kann man als Schüler/in eine Menge tun, indem man das Nutzerverhalten aller beeinflusst. Informiert Euch am besten online – es gibt eine Mengen Initiativen mit guten Ideen. Gute Informationen gibt es hier: https://www.energiesparmeister.de/mitmachen/klimaschutz-in-schulen/

Vielleicht ist es gut sich erst mal kleine Dinge vorzunehmen. Wenn die dann gut gelingen kann man die größeren angehen.

Wieso werden viele Jugendliche nicht ernst genommen?

Jugendliche haben manchmal wenig politischen Einfluss, und verglichen z.B. mit Rentnern gibt es weniger Jugendliche. Die jüngeren Jugendlichen sind noch keine Wählergruppe, die die Politiker im Blick haben. Menschen (leider nicht alle) lernen im Lauf des Lebens immer mehr und verstehen immer mehr Zusammenhänge. Deswegen sehen vielleicht einige Erwachsene auf Jugendliche generell herab, wobei besonders (aber nicht nur) unter den Leuten, die bei Fridays for Future mitmachen, viele von einer Vielzahl von Themen mehr Ahnung haben als so mancher Erwachsene.

Das Problem des „nicht ernst genommen werden“ haben nicht nur Jugendliche. Insbesondere Klimawissenschaftler fühlen sich auch manchmal auch nicht ernst genommen, so warnen sie seit Jahrzehnten vor dem Klimawandel, und die FFF Bewegung hat in einem Jahr sehr viel mehr erreicht als viele Wissenschaftler auf vielen Konferenzen.

Auch ist es sicher eine Frage der Menge und der Ausdauer. Die ersten Schulstreiks von Greta haben wenige beachtet. Aber nun sind Millionen Menschen aktiv und engagieren sich für Klimagerechtigkeit und Klimaschutz. Mahatma Gandhi sagte in diesem Zusammenhang: „Zuerst ignorieren sie dich, dann lachen sie über dich, dann bekämpfen sie dich und dann gewinnst du.“

Warum reden die Politiker wegen FFF nur darüber, dass wir nicht in die Schule gehen, statt darüber zu reden, was man gegen den Klimawandel tun kann?

Wenn Menschen (nicht nur Politiker) keine guten inhaltlichen Argumente haben, dann weichen sie auf andere Gebiete aus. Sie versuchen irgendetwas schlechtes an ihrem „Gegner“ zu finden und im Falle von FFF war es z.B. die Verletzung der Schulpflicht. Da hilft nur, inhaltlich bei der Sache bleiben und sich Verbündete suchen.

Warum mussten wir Schüler/innen erst Gesicht zeigen, damit Thema Klima in die Öffentlichkeit kommt und wie kann ich die Politik überzeugen etwas für den Klimawandel zu tun?

Es war wichtig, dass FFF/Schuler*innen auf die Straße gingen. Das ist aufgefallen, weil ihr so viele seid! Einzelne Wissenschaftler, die z.B. Vorträge halten oder in einer Talkshow auftreten (die es zu dem Thema schon seit langem gibt) vergisst oder verdrängt man schnell wieder. Auch motiviert ihr andere (Eltern, Großeltern, Wissenschaftler*innen…)  mitzumachen und auch mehr in die Öffentlichkeit zu treten. Politik hat sich im letzten Jahr schon geändert und wird sich weiter ändern, wenn der Druck “von der Straße” bleibt. Deshalb ist es wichtig dranzubleiben, und nicht nur Schüler*innen sondern auch Erwachsene müssen Ihre Möglichkeiten ausnutzen, über Teilnahme z.B. an Demos diesen Druck aufrechtzuerhalten bzw. immer wieder zu erneuern. Wir alle müssen mit anderen und auch mit Politikern über die Klimakrise reden. Je mehr sich in Wahlen zeigt, dass Parteien, die viel zu wenig gegen die Bewältigung der Klimakrise tun, abgewählt werden, desto eher ändern auch diese ihr Programm.

Ein Kommentar “Antworten auf Fragen der Schüler*innen von der Klimakonferenz 2019

  1. Rainer Pickenhain // antworten

    Das Problem ist nicht der Klimawandel an sich, dass Problem ist unsere nach Profit ausgerichtete Gesellschaft die die vorhandenen Resourcen verschwendet. Es ist sinnlos eine einzelne Steuer (z.B. CO2 Steuer) einzuführen, oder an irgend einer kleinen anderen Stellschraube zu drehen, das Wirtschaftsystem ist falsch.
    Es wird immer die armen Leute treffen, für die Reichen spielt alles keine Rolle. Solange man darauf setzt das ein „Markt“ in diesem Wirtschaftssystem irgendetwas regelt, solange haben wir alle verloren. Was wir brauchen ist ein anderes Wirtschaftssystem was eine Wirtschaft per Gesetz auf minimalen Resourcenverbrauch ausrichtet. Das könnte per Gesetz sofort so beginnen: Tempo 120 auf Autobahnen, keine innereuropäischen Flüge, Gütertransport auf die Bahn (Ausbau der Bahn), keine Lastwagen auf den Straßen, Verbot der Massentierhaltung, keine Autos mit mehr als 120 g/100 km CO2 zulassen, keine Kriege führen (Deutschland kann das für sich sofort beschließen), Produktion von militärischen Gütern verbieten, keine Lebensmittel über mehr als 100 km transportieren (vor allem Tiere), Lebensmittel dort produzieren wo sie verbraucht werden, usw. und so fort. Und das alles per Gesetz regel! Auf Vernuft warten ist sinnlos!

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